Mentale Stärke & Alltag

Kleine Pausen: Warum Erholung nicht bis zum Wochenende warten muss

Eine Pause muss nicht lang sein, um einen Unterschied im Tagesgefühl zu machen. Sie muss aber auch nicht jede Belastung auffangen können.

Von MENTALIN Redaktion3 Min. Lesezeit

Frau geht barfuß durch eine sonnige Wiese

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Metaanalyse fand kleine durchschnittliche Vorteile kurzer Pausen für Vitalität und Müdigkeit.
  • Eine allgemeine Leistungssteigerung war in der Gesamtauswertung nicht statistisch gesichert.
  • Kurze Pausen können ergänzen, ersetzen aber weder ausreichende Erholung noch Veränderungen bei dauerhafter Überlastung.

Du wolltest nur noch diese eine Sache erledigen. Dann kam eine Nachricht, danach ein Anruf, und plötzlich ist der halbe Tag vorbei. Eine Pause wirkt in solchen Momenten schnell wie etwas, das man sich erst verdienen muss. Vielleicht ist es hilfreicher, sie als normalen Teil eines fordernden Tages einzuplanen.

Was kurze Unterbrechungen leisten können

Albulescu und Kollegen fassten Studien zu sogenannten Mikropausen zusammen, also kurzen Unterbrechungen von bis zu zehn Minuten. Im Durchschnitt zeigten sich kleine günstige Effekte auf das Gefühl von Energie und auf Müdigkeit. Für die Gesamtleistung war der zusammengefasste Effekt nicht statistisch signifikant. [1]

Das ist eine hilfreiche Unterscheidung. Eine Pause muss sich nicht dadurch rechtfertigen, dass du danach nachweisbar mehr erledigst. Gleichzeitig sollte man aus diesen Ergebnissen kein Versprechen ableiten, jede anspruchsvolle Aufgabe mit einer kurzen Unterbrechung besser bewältigen zu können.

Ein Wechsel, der zu dir passt

Unser Vorschlag: Suche dir für eine Pause eine andere Tätigkeit als die, von der du gerade Abstand brauchst. Nach Bildschirmarbeit vielleicht kurz aufstehen und aus dem Fenster schauen. Nach vielen Gesprächen vielleicht einen stillen Moment wählen. Nach körperlicher Arbeit kann Sitzen genau richtig sein.

Diese Beispiele sind praktische Anregungen, keine Rangliste wissenschaftlich bewiesener Pausenformen. Es gibt in der genannten Forschung keinen einzelnen Ablauf, der für alle Aufgaben und Menschen als bester feststeht.

Ein Übergang macht die Pause greifbar

Wähle einen Zeitpunkt, den es ohnehin gibt: nach einem abgeschlossenen Arbeitsblock, vor dem Mittagessen oder wenn du von der Arbeit nach Hause kommst. Probiere dort eine kurze Unterbrechung aus. Wenn sie nicht passt, verschiebe sie. Ein zusätzlicher starrer Pausenplan kann sonst selbst zur Aufgabe werden.

Du musst auch nicht jede freie Minute mit einer Übung füllen. Manchmal darf die Unterbrechung einfach ohne Ziel bleiben.

Wenn die Belastung größer ist als die Pause

Wer dauerhaft zu viel trägt, braucht möglicherweise Entlastung, andere Absprachen oder Unterstützung. Kleine Pausen können diese Fragen nicht lösen. Unsere Haltung: Erholung sollte Raum bekommen, und anhaltende Überlastung verdient ebenso Aufmerksamkeit. Beides kann nebeneinander gelten, ohne die Verantwortung allein auf die einzelne Person zu verlagern.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Albulescu P et al. (2022). “Give me a break!” A systematic review and meta-analysis on the efficacy of micro-breaks for increasing well-being and performance. Originalpublikation, PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0272460.