Safran, Rhodiola und Curcumin: Was klinische Studien untersuchen
Drei Pflanzen, unterschiedliche Forschungsansätze: ein verständlicher Blick auf klinische Studien zur psychischen Gesundheit – mit ihren Ergebnissen und Grenzen.

Das Wichtigste in Kürze
- Safran, Rhodiola rosea und Curcumin wurden in Humanstudien im Zusammenhang mit psychischen Beschwerden untersucht.
- Studiendesign, Patientengruppen, Extraktformen und Dosierungen unterscheiden sich erheblich.
- Ergebnisse zu einzelnen Extrakten oder klinischen Erkrankungen belegen nicht automatisch eine Wirkung eines Nahrungsergänzungsmittels bei gesunden Menschen.
Pflanzenextrakte werden seit Jahrhunderten genutzt, doch Tradition ist nicht dasselbe wie klinische Evidenz. Spannend wird Forschung dann, wenn nachvollziehbar geprüft wird: Was wurde in welcher Dosis eingesetzt? Mit wem wurde verglichen? Welche Veränderungen wurden tatsächlich gemessen? Und konnten andere Forschungsgruppen ähnliche Ergebnisse beobachten?
Safran: Studien zu Stimmung und depressiven Symptomen
Safran (Crocus sativus) gehört zu den botanischen Stoffen, zu denen eine vergleichsweise umfangreiche klinische Literatur zu depressiven und Angstsymptomen vorliegt. Die systematische Übersichtsarbeit von Marx und Kollegen (2019) wertete 23 Studien aus und berichtete im Durchschnitt günstigere Ergebnisse als Placebo, verwies aber unter anderem auf Hinweise für Publikationsbias und eine begrenzte geografische Vielfalt der Studien. Eine neuere, nach GRADE bewertete Metaanalyse von Mahmoudi und Kollegen (2026) analysierte 34 randomisierte Studien mit 1.769 Teilnehmenden. Sie fand Verbesserungen auf bestimmten selbstberichteten Depressions- und Angstskalen, jedoch keine signifikanten Effekte auf mehreren klinisch bewerteten Skalen. Diese differenzierte Betrachtung ist wichtig.
Rhodiola: ein genauer Blick auf die Vergleichsgruppen
Rhodiola rosea wurde unter anderem bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Depression untersucht. Darbinyan und Kollegen (2007) prüften den standardisierten Extrakt SHR-5 über sechs Wochen. Eine spätere Studie von Mao und Kollegen (2015) verglich Rhodiola, Sertralin und Placebo in einer kleinen Gruppe. Hier unterschieden sich die Symptomveränderungen statistisch nicht signifikant zwischen den Gruppen; Rhodiola war besser verträglich als Sertralin. Diese Ergebnisse sind interessant, erlauben aber keine pauschale Gleichsetzung mit einer etablierten Therapie.
Curcumin: Extrakt und Dosierung zählen
Curcumin ist ein Bestandteil der Kurkumapflanze und wird wegen verschiedener biologischer Prozesse untersucht. In der Metaanalyse von Fusar-Poli und Kollegen (2020) wurden neun Veröffentlichungen mit zehn Vergleichen und insgesamt 531 Teilnehmenden berücksichtigt. Die Autorinnen und Autoren berichteten eine statistisch günstige durchschnittliche Veränderung depressiver Symptome, betonten jedoch die kleinen Stichproben und die Grenzen der Studien. Zu beachten ist zudem, dass die verwendeten Curcuminpräparate und Dosierungen teils deutlich voneinander abweichen und nicht mit jedem kommerziellen Produkt vergleichbar sind.
Was wissenschaftliche Sorgfalt hier bedeutet
Es ist verlockend, einzelne positive Ergebnisse zu einer großen Aussage zusammenzufassen. Aber eine Studie an Menschen mit diagnostizierter Depression beantwortet nicht automatisch die Frage, wie sich ein Extrakt bei gesunden Erwachsenen im Alltag auswirkt. Und Resultate zu einem einzelnen standardisierten Extrakt beweisen nicht die klinische Wirksamkeit einer mehrteiligen Nahrungsergänzungsformel. Deshalb sind die exakten Studienbedingungen für eine faire Einordnung entscheidend.
Unser Fazit
Die Forschung zu pflanzlichen Inhaltsstoffen und psychischer Gesundheit entwickelt sich weiter. Sie liefert interessante Hinweise, aber keine Grundlage für einfache Heilversprechen. Auf unserer Seite Forschung stellen wir Quellen, Studiendesigns und Ergebnisse transparent dar. Dieser Beitrag ist eine wissenschaftliche Einordnung und keine Empfehlung, Erkrankungen mit Nahrungsergänzungsmitteln zu behandeln.
Quellen
- Marx W, Lane M, Rocks T et al. (2019): Effect of saffron supplementation on symptoms of depression and anxiety: a systematic review and meta-analysis. Nutrition Reviews 77(8): 557–571. PMID: 31135916, DOI: 10.1093/nutrit/nuz023.
- Mahmoudi R, Mohammadi-Sartang M, Servatyari K, Rafieipour N (2026): Effect of saffron on depression, anxiety and mood disorder: a GRADE assessed systematic review and meta-analysis of 34 randomized controlled trials. Nutritional Neuroscience 29(7): 816–837. PMID: 41693488, DOI: 10.1080/1028415X.2025.2602153.
- Darbinyan V, Aslanyan G, Amroyan E et al. (2007): Clinical trial of Rhodiola rosea L. extract SHR-5 in the treatment of mild to moderate depression. Nordic Journal of Psychiatry 61(5): 343–348. PMID: 17990195, DOI: 10.1080/08039480701643290.
- Mao JJ, Xie SX, Zee J et al. (2015): Rhodiola rosea versus sertraline for major depressive disorder: A randomized placebo-controlled trial. Phytomedicine 22(3): 394–399. PMID: 25837277, DOI: 10.1016/j.phymed.2015.01.010.
- Fusar-Poli L, Vozza L, Gabbiadini A et al. (2020): Curcumin for depression: a meta-analysis. Critical Reviews in Food Science and Nutrition 60(15): 2643–2653. PMID: 31423805, DOI: 10.1080/10408398.2019.1653260.



